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Österreichischer Energiekonzern recycelt Plastikmüll zu Rohöl

Der österreichische Energiekonzern OMV hat ein Verfahren entwickelt, bei dem Kunststoffabfälle wieder in Rohöl zurückverwandelt werden können.

So funktionierts

Beim sogenannten «ReOil-Verfahren» wird das Plastik auf über 400 °C erhitzt. Bei der hohen Temperatur werden die langkettigen Moleküle aus dem Kunststoff gespalten. Die Zugabe von Druck und speziellen Lösungsmitteln vervollständigt die Umwandlung in synthetisches Rohöl. Synthetisches Rohöl unterscheidet sich von gewöhnlichem Rohöl nur dadurch, dass es keinen Schwefel, dafür aber mehr Wasserstoff enthält. Dennoch lässt sich auch dieses Öl in Treibstoff oder in Grundstoffe für die Kunststoffindustrie umwandeln. Durch die Technik können 100 Liter Rohöl aus 100 Kilo Plastikmüll gewonnen werden – und dies in einer Stunde.

Ein grosser Vorteil der Verarbeitung des synthetischen Öls ist die deutliche Reduktion von Treibhausgasemissionen. Denn ganze 45 Prozent weniger Treibhausgase werden dabei verursacht als bei gewöhnlichem Rohöl.

Das Verfahren stellt ein effizienteres Recycling dar.

Die Entwicklungen werden laufend vorangetrieben

Anfang dieses Jahres stellte das Unternehmen ihre neue Pilotanlage vor. Das Verfahren soll in Zukunft weiter ausgebaut werden. Aktuell denkt OMV über eine Investition einer grösseren Anlage nach, die bis zu zwei Tonnen Plastikmüll pro Stunde in Rohöl umwandeln können.

Michael Fadler ist für den Betrieb verantwortlich und äussert sich: «Die Qualität der Produkte aus dem ReOil-Prozess war mit der Einheit im Technologiezentrum bereits hervorragend und das hat sich nicht geändert. Am Ende bekommen wir ein reines, hochwertiges Produkt, das sich gegen das beste Rohöl behaupten kann. Deshalb wird die neue, größere Einheit auch direkt in die Raffinerie integriert. Was wir hier produzieren, wird für die Herstellung von Kraftstoffen und anderen Raffinerieprodukten verwendet.»

Ein wertvoller Beitrag für die Umwelt

Laut Hans Leibold, Experte für Brennstoffaufbereitung und Gasbehandlung am Institut für Technologie in Karlsruhe, kann das sogenannte ReOil-Verfahren einen guten Beitrag zur Verwertung von Kunststoffabfällen leisten. «Es ist auf jeden Fall CO2-sparender, Altkunststoffe in der Raffinerie stofflich zu recyceln, als diese zu verbrennen», sagt Leibold. Er zweifelt aber noch daran, dass der wirtschaftliche Nutzen des Verfahrens zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar sei.

Eine weitere Schwierigkeit bestehe darin, dass Baukunststoffe, die einen erheblichen Anteil der Plastikabfälle ausmachen, im ReOil-Verfahren nicht verwendet werden können. Obwohl das Verfahren noch Verbesserungspotenzial hat, stellt es ein effizienter und innovativer Ansatz dar, durch den Plastikabfälle nachhaltiger recycelt werden können.

Bilder: omv.com